Folk Village

Am „No-Power-Day“ verließ die komplette deutsche Crew das Dormitory, um sich den Tag kulturell zu versüßen. Wobei man erwähnen sollte, dass die Auslegung von „kulturell“ verschiedene Ausmaße annahm. Der eine Teil machte sich bereits am Tag zuvor auf den Weg nach Seoul, um dort ein bisschen deutsche Heimat auf dem „Oktoberfest“ aufleben zu lassen und der andere Teil nahm an einem von der Kirche gesponserten Ausflug zur Folk Village und zu einer Teeplantage teil.
Die Kirchenfahrt begann um 7 Uhr morgens mit Anwesenheitskontrolle und einem kurzen Gottesdienst, der von vielen nicht unbedingt zur Besinnung im christlichen Sinne genutzt wurde. (Auch Salzwasser hätte da nicht mehr geholfen.) Um 7:45 Uhr wurden 85 Mann in zwei Busse verfrachtet, gezählt und mit Milch und roter Bohnenpaste gefüllten Weichteigbrötchen versorgt. Manch einer kann von Glück sagen, dass er nicht alles gegessen hat, denn das hätte sich bei der wagemutigen Fahrt des Busfahrers nicht gelohnt. Der größte Teil von uns verbrachte die Zeit jedoch mit Schlafen. (Dieser Zustand geht auf die Rechnung von Prof. Cho, mit welchem wir am Tag zuvor essen, trinken und singen waren.)
Nach dreistündiger Fahrt kamen wir gegen 11:15 Uhr in Folk Village an. Dies ist ein traditionelles koreanisches Dorf, indem es Allerlei über das Leben der Koreaner vor einigen hundert Jahren zu sehen gab. Nach einer etwas kurzen Besichtigungstour gab es um 12 Uhr ein wiederum traditionelles Mittagessen, bei dem sich der eine oder andere an Speisen wagte, an denen für deutsche Verhältnisse noch zu viele Details des vorherigen Lebens erkennbar waren. Die etwas Weicheren (ich) nutzen die Gelegenheit zur photographischen Dokumentation.
Gegen 13 Uhr ging es dann weiter zu einer Plantage für grünen Tee. Dies war für die meisten das Eindrücklichste der ganzen Fahrt und diente nebenbei auch für manchen Schabernack. So konnten es sich Marcel-She und Jens-She nicht verkneifen ein Teekännchen nachzuahmen. Ich habe mich kurzzeitig auch als Tasse erbarmt. Die Ausführung soll aber noch perfektioniert werden. So werden momentan noch Deckelchen und Stövchen gesucht. Alle Freiwilligen können sich gerne zu einem Casting unter den angegebenen Kontaktadressen melden. Aber wieder zurück zum Thema.
Die Teeplantage ist an einem Berg angelegt, von dem man, erbarmt man sich, ganz hochzulaufen und vom Aufseher taktvoll mit dem Megaphon zur Rückkehr aufgefordert zu werden, eine wirklich umwerfende Aussicht hat. Aber ich denke, dass die Photos für sich sprechen. Um drei Uhr war leider schon wieder Treffpunkt, um nach Busan zurückzufahren. Auch hier konnte der ein oder andere froh sein, dass das Mittagessen schon drei Stunden zurücklag und die Verdauung in vollem Gange war.
Nach diesmal vierstündiger Busfahrt wurden wir noch mit einem Abendessen belohnt. Auch hier wurde wieder mit extrem viel Liebe und Hingabe gearbeitet. Die Selbstverständlichkeit keine Mühen zu scheuen, um es uns so angenehm wie möglich zu machen, haut mich doch jedes Mal wieder vom Hocker, v.a. bei dem Gedanken, dass die Kochcrew in perfektionierter Akribie für 85 Mann Äpfel geschält und geachtelt hat.
Auch bei dieser Veranstaltung waren wir uns am Ende des Abends einig, dass es sich gelohnt hat und man fast beschämt von den Mühen und auch Kosten (wir haben keinen einzigen Cent bezahlt) war , die sowohl die Uni, als auch die Kirche auf sich genommen haben.

Rika Astin
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